Die ursprünglich geplante MTB-Etappenfahrt “Transtirol“, von Mittenwald bis nach Brixen, konnte aufgrund der ungewöhnlichen Witterung in diesem Jahr leider nicht durchgeführt werden. Die Unternehmung wäre aufgrund der noch reichlich vorhandenen Altschneefelder wohl zu einer Expedition geraten. So haben wir uns alternativ zu einer Tourenwoche im Vinschgau in Südtirol (Italien) entschlossen. Wir, das waren Monika, Susanne, Henry, Tobias und Gerd. Unser Quartier bezogen wir im „Sattlerenglhof“ in Latsch, einem 640 m hoch gelegenen Ort im unteren Vinschgau, rund 25 Kilometer westlich von Meran. Die Pension Sattlerenglhof ist insbesondere auf Mountainbiker eingestellt und bietet somit alle diesbezüglichen Annehmlichkeiten zu denen insbesondere auch ein Radkeller und spezielle Toureninformationen (Karten und GPS-Tracks zum herunterladen) gehören. Auch der große Garten mit Pool wurde fast täglich nach den Touren von uns genutzt. Unsere Zimmer waren praktisch eingerichtet und verfügten jeweils über einen Balkon sowie Dusche/WC. Nachdem die Anreise am 15. Juni weitestgehend reibungslos verlief, waren wir auf die Touren der kommenden Tage schon sehr gespannt.

 

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Sonntag, 16. Juni: Latscher Nördersbergtour

Schon am Morgen meinte es die Sonne (zu) gut mit uns und schenkte uns Temperaturen von über 25 Grad. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für eine lange Bergfahrt, aber darin ließ sich nun mal nichts ändern. Von Latsch ausgehend gelangten wir anfangs noch auf einer Straße über die Magrin Böden zum Nördersberg, wo der lange Aufstieg Richtung Töbrunn bzw. Latscher Alm begann. Als Nördersberg (italienisch Montetramontana) wird die südliche Talflanke des Vinschgaus bezeichnet. Der Nördersberg bildet einen Teil der Ortlergruppe, ist dicht bewaldet und mit zahlreichen Bergbauernhöfen bedeckt. Trotz des Bergwaldes waren die gut fahrbaren Forstwege jedoch größtenteils der Sonne ausgesetzt, so dass sich diese lange Uphillpassage als äußerst schweißtreibend gestaltete. Leider lief es für Susanne nicht so gut, so dass sie beschloss ihre “Leiden“ zu beenden und begab sich auf einem vorzeitigen Downhill zurück nach Latsch. Alle anderen konnten am Zwischenziel Töbrunn ihre Trinkflaschen mit frischem Quellwasser auffüllen und die Tiefblicke ins Tal genießen. Ab Töbrunn führte uns der Forstweg mit leichtem auf und ab zur Latscher Alm auf 1713 m Höhe. Leider wurde aus der dort geplanten Einkehr nichts, da die Hütte entgegen allen Informationen nicht bewirtschaftet war. Trotzdem war es ein schöner Pausenplatz auf einer großen Wiese am rauschenden Latscher Almbach mit Blick auf die südlichen Berge der Ötztaler Alpen. Nach dem Passieren des höchsten Punktes der Tour im Skigebiet Tarscher Alm auf rund 1810 m Höhe, folgte einer abwechslungsreicher, abschnittsweise aber auch etwas kniffliger Trail bergab in Richtung Tarsch. Dem schloss sich ein sehr schön zu fahrender Karrenweg an, der uns schnell nach Tarsch brachte. Es folgte ein finaler “Tiefflug“ über die Straße nach Latsch zu unserer Unterkunft und an den Pool. Trotz einer Streckenlänge von nur 29 Kilometern benötigten wir eine Fahrzeit von fast 3 ½ Stunden, ein Tribut an die insgesamt 1.270 Höhenmeter an diesem Tag.

Montag, 17 Juni: Sonnenbergtour

 

Das Gegenstück zum Nördersberg bildet der Sonnenberg, an der nördlichen Talflanke des Vinschgaus gelegen. Der Sonnenberg weist in weiten Teilen nur einen steppenartigen Bewuchs auf, was auf die südliche Hangausrichtung und die damit verbundene intensive Sonneneinstrahlung in Verbindung mit einer relativen Niederschlagsarmut zurück zu führen ist. So beträgt der Jahresschnitt der Niederschläge in Schlanders nur rund 480 mm, also nicht mehr als die Niederschlagsmenge von Teilen Siziliens. In Essen fallen übrigens rund 900 mm Niederschläge pro Jahr. Um es uns zu Beginn unserer Sonnenbergtour etwas einfacher zu machen, beschlossen wir auf einen Uphill von rund 1.100 Höhemeter zu verzichten und stattdessen mit der Seilbahn von Latsch nach St. Martin im Kofel auf 1.740 m Höhe zu fahren. Möglich war das, weil die Seilbahn am frühen Morgen und am späten Nachmittag auch Fahrräder befördert. Als wir gegen acht Uhr an der Bergstation die Aussicht auf das Tal und die Ortlergruppe genossen, war es noch angenehm frisch und unser Plan somit aufgegangen. Jetzt folgte ein rauschender Downhill der uns anfangs auf Asphalt und kurze Zeit später über den markierten Annenberg-Singletrail der Kategorie S 1 (leicht) ins Tal nach Goldrain führte. Leicht bedeutete in diesem Fall aber nicht immer einfach, so dass wir durchwegs konzentriert unterwegs waren. Zum genießen der tollen Landschaft gab es dann viele kleine Pausen. Von Goldrain gelangten wir über den Etschradweg bis zur “Radlerrast“ in Laas, die uns noch von unserem Alpencross im Jahr 2009 in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Nach dem Genuss der Vinschger Variante eines Hamburgers ging es anschließend talabwärts nach Göflan, wo sich die “Mädels“ für den direkten Rückweg nach Latsch entschlossen. Die “Jungs“ wollten es noch mal wissen und ein paar Trails am Nördersberg unter die Stollenreifen nehmen. Diese erwiesen sich für die Jungs aber nur teilweise als fahrbar, so dass die Unternehmung nun zu einer Bike + Hike – Tour mutierte. Nach 45 Kilometern, 750 Höhenmetern und einer Fahrzeit von 3 ½ Stunden trafen sich alle am Pool wieder.

Dienstag, 18. Juni: Untervinschgaurunde

Für den heutigen Tag waren Rekordtemperaturen von bis zu 35 Grad vorhergesagt. So entschlossen wir uns zu einer eher gemütlichen Tour, die uns von Latsch zunächst durch die überall im Tal vorherrschenden Apfelbaumplantagen nach Marein führte. Wie bei allen Touren eindrucksvoll ersichtlich war, ist fast der gesamte Talboden außerhalb der Siedlungsflächen eine einzige große Apfelbaumplantage. Eine Sorte ist uns dabei in guter Erinnerung geblieben – der Weirouge. Diese Sorte zeichnet sich durch ihre rote Schale und ihr vollständig rotes Fruchtfleisch aus. Das Fruchtfleisch bleibt auch nach der Verarbeitung rot und auch der Saft dieser Sorte ist rot. Eine Schorle aus diesem Saft schmeckt einfach nur lecker! Zurück zur Tour. Ab Marein folgten wir dem Eisacktalradweg bis nach Tschars, von wo aus wir über größtenteils schattige Straßen und Wege einen Abstecher nach Tomberg am Nördersberg machten. Über Tabland, und Plaus führte uns die Route bis nach Rabland. Über die Etschdamm-Promenade ging es dann über Naturns zurück nach Latsch. Für die Jungs gab es im Anschluss noch eine zusätzliche Trailrunde zwischen Tarsch und Morter, so dass sich die Tour am Ende auf 58 Kilometer, 970 Höhemeter und 4 Stunden Fahrzeit summierte.
Mittwoch, 19. Juni: Göflaner Marmorbruch
Heute stand für die Jungs die “Königsetappe“ auf dem Plan, eine Klettertour zum Göflaner Marmorbruch. Von Latsch führte uns die Route über Morter und Göflan nach Laas, wo die anschließend mehr als zwei Stunden andauernde Kletterpartie zum Marmorbruch begann, der sich in rund 2.150 m Höhe befindet und das höchstgelegene Abbaugebiet Europas bildet. Der Marmor kann dort nur im Sommer im Über- und Untertagebau abgebaut werden. Die vor Ort lagernden Marmorblöcke waren schon imposant anzusehen. Übrigens werden aus dem Göflaner Marmor nicht nur die bekannten Produkte wie zum Beispiel Fliesen, Skulpturen oder Denkmäler hergestellt. Aus Restmaterialien wird auch Marmorschotter gewonnen, der die Forstwege in der Umgebung bedeckt. Nach kurzer Abfahrt gelangten wir zur Göflaner Alm auf 1826m Höhe, wo wir bei leckeren Speisen und Getränken eine längere Pause einlegten. Auf teilweise kniffligen Trails ging es von dort auf Höhenwegen zum Morterer Leger, von wo uns eine rauschende Forstwegabfahrt über Morter zurück nach Latsch führte. Insgesamt haben wir an diesem Tag 52 Kilometer mit 1.750 Höhenmetern in einer Fahrzeit von rund 4 ½ Stunden zurück gelegt.

Mittwoch, 19. Juni: Göflaner Marmorbruch


Heute stand für die Jungs die “Königsetappe“ auf dem Plan, eine Klettertour zum Göflaner Marmorbruch. Von Latsch führte uns die Route über Morter und Göflan nach Laas, wo die anschließend mehr als zwei Stunden andauernde Kletterpartie zum Marmorbruch begann, der sich in rund 2.150m Höhe befindet und das höchstgelegene Abbaugebiet Europas bildet. Der Marmor kann dort nur im Sommer im Über- und Untertagebau abgebaut werden. Die vor Ort lagernden Marmorblöcke waren schon imposant anzusehen. Übrigens werden aus dem Göflaner Marmor nicht nur die bekannten Produkte wie zum Beispiel Fliesen, Skulpturen oder Denkmäler hergestellt. Aus Restmaterialien wird auch Marmorschotter gewonnen, der die Forstwege in der Umgebung bedeckt. Nach kurzer Abfahrt gelangten wir zur Göflaner Alm auf 1826m Höhe, wo wir bei leckeren Speisen und Getränken eine längere Pause einlegten. Auf teilweise kniffligen Trails ging es von dort auf Höhenwegen zum Morterer Leger, von wo uns eine rauschende Forstwegabfahrt über Morter zurück nach Latsch führte. Insgesamt haben wir an diesem Tag 52 Kilometer mit 1.750 Höhenmetern in einer Fahrzeit von rund 4 ½ Stunden zurück gelegt.

Kontrastprogramm der Mädels: Wanderung am Sonnenberg

Nachdem Susanne bei diesen immer höheren Temperaturen sehr gelitten hat, entschieden sie und Monika sich, einfach einmal „auszusteigen“ und kein Rad zu fahren. Rund um das Tal im Vinschgau gibt es vielfältige Möglichkeiten zu wandern. Wir entschlossen uns schweißtreibenden Höhenmeter zu sparen und mit der Seilbahn zur Bergstation St. Martin im Kofel zu fahren und dann den Panoramaweg Nr. 14 bis nach Schlanders zu nehmen (http://www.latsch-martell.it/de/sommer-winter-aktiv/aufstiegsanlagen/seilbahn-st-martin-im-kofel.html). Wir kauften etwas Brot und Käse als Proviant und standen kurz nach halb neun an der Talstation. Mit drei weiteren Wanderern und zwei Bikern ging es rauf auf 1704 m. Auch dieser Tag versprach wieder Temperaturen von über 30°. Wir hatten aber eine besondere Stimmung, um die Seilbahnstation waberte der letzte Rest des Morgennebels und dass bei schon über 25° in der Höhe. Anfangs wanderten wir noch auf der Asphaltstraße Richtung Egg. Danach führte uns ein Pfad entlang abschüssiger Hänge. Immer wieder wechselten sich Wiesen- und Wald ab. Es ging sprichwörtlich über Stock und Stein und vorbei an zwei wegen Wassermangels verlassenen Almen. Wir wanderten einsam durch eine atemberaubende Natur mit Sicht auf die Ortlergruppe. Während der gesamten Tour haben wir niemanden getroffen - auch mal was. Gegen 13 Uhr und nach über 1000 hm Abstieg wobei wir fast zum Ende im Schlanderser Wald noch eine vollkommen im Regen der Bewässerungsanlage liegende Wegstrecke hatten und uns auf der Sonnenpromenade über der Stadt trockneten, trafen wir in Schlanders ein. Nach einem Eiskaffee machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Die Wartezeit auf der Terrasse der Bahnhofskneipe wurde uns durch die „Rentnergang von Schlanders“ verkürzt. Zeitweilig haben wir nach der versteckten Kamera Ausschau gehalten bzw. überlegt ob wir mit dem Kauf der Fahrkarte auch Eintritt fürs Kabarett bezahlt hatten. Eine Dame im grauen Jogginganzug erteilte uns Unterricht im Lackieren der Fußnägel. Anschauungsobjekt war ein Zeitungsfoto mit dem Fuß eines Toten. Die Begrüßung eines Kumpels war dann: „Da kommt der Frranz mit dem kurrzen Schwanz.“ Einzelheiten erfuhren wir nicht. Dann kam der Zug und wir verließen das Theater in Richtung Latsch. Ein gelungener Tag – obwohl auch wieder Schwitzen angesagt war.

Donnerstag, 20 Juni: Vinschger Zugtrail


Im Jahr 1906 wurde die zwischen Meran (302 m) und Mals (997 m) gelegene Bahnstrecke, die sogenannte “Vinschgaubahn“, in Betrieb genommen. Die nach einer fünfzehnjährigen Stillegungsphase im Jahr 2005 wieder in Betrieb stehende Strecke erfreut sich insbesondere bei Touristen einer großen Beliebtheit. Wir entschlossen uns daher zu einer Streckentour, die uns von Mals zurück nach Latsch führen sollte. Zunächst musste jedoch die größte Hürde überwunden werden, der Kauf einer Fahrkarte. Gelegenheitsbahnfahrer können sich vielleicht vorstellen, was damit gemeint ist. Nach vorheriger Sondierung der Lage am Fahrkartenautomaten am Bahnhof Latsch, konnten wir die Hürde jedoch mit Bravour überwinden. In Mals angekommen ging es zunächst in eine der kleinsten Städte der Alpen, nach Glurns, die nur rund 900 Einwohner zählt und von einer kompletten mittelalterlichen Stadtmauer umgeben ist. Hinter Glurns begann der Einstieg in einen traumhaft schönen Trail, der uns bis nach Lichtenberg führte. Im benachbarten Prad folgte eine längere Pause, um anschließend den höchsten Punkt der Tour an der Kapelle St. Ottilia auf 1002 m Höhe zu erklimmen. Über Tschengls und schöne Offroadpisten im Tal fahrend, legten wir den nächsten Stop am Radtreff Brugg ein. Während wir überdacht mit leckeren Kuchen verwöhnt wurden, ging der einzige nennenswerte Regenschauer nieder. Das Spektakel dauerte aber nur rund 5 Minuten. Während die Mädels anschließend über Göflan und Morter weiter nach Latsch fuhren, erkundeten die Jungs noch einige alte Waalwege. Unter einem Waal ist ein vom Menschen angelegter Bewässerungskanal oder -graben zu verstehen, der Wasser zu landwirtschaftlichen Kulturen leitet. Begleitet werden diese Waale oft von schmalen Pfaden, die einst zu Unterhaltungszwecken dienten, sich aber auch zum biken eignen, sofern man über ein gewisses Maß an Schwindelfreiheit und Fahrtechnik verfügt. Nach 45 Kilometern, 920 Höhenmetern und einer Fahrzeit von rund 3 ½ Stunden war das Tagespensum geschafft.

 

Freitag, 21. Juni: Rundtour um Latsch

 

Der letzte Tourentag sollte uns nochmal in die nähere Umgebung von Latsch führen. Zunächst ging es in die am Sonnenberg gelegenen Ortschaften Tiss und Vatzal, wo an den steilen Hängen auch Weinbergbau betrieben wird. Immer wieder gab es schöbe Ausblicke auf die in höheren Lagen noch schneebedeckte Ortlergruppe. Nach einer Kaffeepause im Ortszentrum von Schlanders erklommen wir die Höhen oberhalb von Morter, von wo aus es schöne Tiefblicke auf die beiden Burganlagen des Ortes gab. Zu guter Letzt fuhren wir noch nach Tarsch, um den dortigen kleinen Bikepark zu besuchen. Sehr spannend war das überfahren einer Wippe. Über einen letzten sehr schönen Trail gelangten wir nach 30 Kilometern, 750 Höhenmetern und 2 ½ Stunden Fahrzeit zurück nach Latsch und an den Pool.
Trotz der sehr heißen Temperaturen von über 30 Grad im nicht immer vorhandenen Schatten war es eine tolle Tourenwoche, die uns viel Spaß gemacht hat.

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