Osterdorf gilt als das Mekka der deutschen Randonneurszene. So veranstaltet Karl Weimann bislang auch das einzige anerkannte Super-Brevet in Deutschland. Am 28. Juli 2014 war es dann wieder so weit.

Radbegeisterte aus vielen Teilen der Welt standen am Start zur 3. Ausgabe der "Großen Bayernrundfahrt", darunter auch Jochen Kaiser und Alexander Neumann vom RSC. Nahezu 1300 Kilometer mit mehr als 15 000 Höhenmetern warteten auf die hungrige Meute!

Video

GB03a

Die ersten Kilometer durch das "Ries" und Donautal waren zum Einrollen gedacht und das Wetter spielte auch mit. Steile Rampen warteten dann im Allgäu auf uns. In der Nacht setzte auch teils heftiger Regen ein und ich war sehr froh, ein wenig Schutz im Tunnel und unter Gallerien am Südufer des Walchensees zu finden. Mit dem neuen Tag kam auch neuer Regen und dies gestaltete die Fahrt durch die Bayrischen Alpen nicht immer einfach. Vom höchsten Punkt am Sudelfeld erfolgte dann glücklicherweise eine trockene Abfahrt über den Tatzelwurm ins Inntal. Wir verließen die Alpenregion und radelten Richtung Niederbayern. Kurz vor Burghausen erreichte ich am späten Nachmittag auch das Zeltlager, wo sich bereits Jochen zur "Nachtruhe" gebettet hatte. Später erfuhr ich, dass diese Kontrolle von Vincent Muoneke, einem Nigerianer, der in Seattle lebt, verpasst wurde und ihn zur Aufgabe zwang. Vincent, ein Top-Star der Szene, hatte im vergangenen Jahr neun Brevets von 1200 Kilometern Länge bewältigt.

GB06b-Silberhtte Ich versuchte mein Schlafglück in Altötting, wurde aber von einer "Pilgerhorde" nach kurzer Zeit aus dem Schlaf gerissen. Also ging es weiter - über viele Hügel der Isar und Donau entgegen. Wir streiften den Bayerischen Wald, erreichten Cham und den "Regen". Der kam dann auch wieder von oben und mit ihm unzählige steile und steilste Anstiege. Wir hatten aber auch großes Glück: einen monsunartigen Regenschauer überlebten wir in einem Autobahn-Rasthof südlich von Weiden. Gemeinsam erklomm Jochen mit mir dann auch die höchste Stelle der Oberpfalz, die Silberhütte. Danach trennten sich unsere Wege, weil ich mal wieder einen erfolglosen Versuch unternommen hatte, eine ruhige Schlafstelle in einem abgestellten Zug zu finden.

Den letzten Tag gingen wir trotzdem gemeinsam an. Die Fränkische Schweiz stand auf dem Programm. Danach musste ich Jochen ziehen lassen. Ich hatte mir meine Weichteile wund gefahren und schlich langsam dem Main und später dem Steigerwald entgegen. Es war richtig heiß geworden und die folgenden zweistelligen Rampen trieben mir reichlich Schweiß ins  Gesicht. In Schlüsselfeld traf ich dann zum letzten Mal auf Jochen, der sich gerade auf die Zielgerade begab, mit dem Hinweis: "jetzt kommen die brutalsten 40 Kilometer". Glücklicherweise traf das nicht ein und es ging weiter wie bisher: auf und ab, ununterbrochen. Ich war am Ende froh, den vielen LKWs in der Nacht auf einer Bundesstraße entkommen zu sein. Das letzte "Hügelchen" zum Ziel in Osterdorf war dann nur noch Formsache. Nach Mitternacht war auch für mich die Tortour beendet ... und Jochen wartete bereits .... geduscht und frisch eingekleidet! Herzliche Gratulation! "Jochen, bist scho a Hund" ... so zeigen Bayern ihren tiefen Respekt vor einer derartigen Leistung!

GB05a