Ein Erlebnisbericht von Gerd Bongers

kellerwald2 Traditionell startet die MTB-Marathonsaison in Deutschland mit dem “Frühjahrsklassiker“ im Kellerwald. Da in diesem Jahr nach einer Wettkampfpause im letzten Jahr mal wieder einige Marathons auf meiner Agenda stehen, habe ich mir die Veranstaltung in Gilserberg als “Einstiegswettkampf“ ausgeguckt. Zu Saisonbeginn stand als Test erst mal eine Kurzdistanz über 40km mit 1000 Höhenmetern auf dem Programm.

Für jemanden, der inmitten von NRW wohnt, bedeutet ein Wettkampf in Nordhessen zunächst einmal eins – nämlich ein (sehr) frühes Aufstehen. Der Wecker brummte mich bereits um 3:00 aus dem Schlaf. Aber egal – nur keine Hektik am frühen Morgen aufkommen lassen!

Gegen 6:30 traf ich in Gilserberg ein, dem Startort, der noch größtenteils im Schlaf lag. Nach der Erledigung der Startformalitäten zog es mich in das örtliche Cafe zu einem gemütlichen kohlehydratreichen Frühstück in netter Umgebung. Danach stand noch ein wenig “Chillen“ auf einer Couch im Anmeldebereich der Veranstaltung an. Dabei habe ich auch einen Blick in die Tüte geworfen, die ich mit den Startunterlagen erhalten habe. Es war so ähnlich wie früher mit den “Wundertüten“, nur dass der Inhalt jetzt für alle gleich war. Neben der Miniflasche “Sebamed –Duschgel“, passend zur Werbung für den “Sebamed MTB-Marathon“, bestand der Inhalt aber insbesondere auch noch aus einem Kopftuch und einem Sattelstützenadapter, für eine Trinkflaschenhalterung von SKS. Was ich mit dem Adapter alleine anfangen soll, weiß ich noch nicht. Vielleicht gibt es ja im nächsten Jahr das dazu passende Anbauteil. Das wäre dann so eine Art von Kunden-, besser gesagt, Teilnehmerbindung!

Dann war Schluss mit Lustig. Es folgte ein ausgiebiges Einrollen und gegen 9:40 die Aufstellung im Starterfeld. Nachdem es drei Stunden zuvor nur ca. 2 Grad kalt war, konnte man es jetzt sehr gut in der Sonne aushalten. Nach einer Ermahnung des Streckensprechers an einige “Pseudocracks“, ihre MTB’s und sich selbst bitte nicht mehr von ganz hinten bis nach ganz vorne durch das komplette ca. 450 TeilnehmerInnen umfassende Startfeld zu tragen, erfolgte um Punkt 10:00 der Start.

Zunächst ging es hinter einem Führungsfahrzeug her, über eine Einführungsrunde durch den Ort und über Feldwege, bevor die Meute dann losgelassen wurde. Ich merkte schon am ersten Anstieg: Heute hast du gute Beine! Die erste Herausforderung war der Anstieg auf den 585m hohen Jeust. Hier zog sich das Feld schon recht bald auseinander. Oben angekommen ging es in den ersten Trail. Da alle Wege im wahrsten Sinne des Wortes “staubtrocken“ waren, konnte man es so richtig rollen lassen. Zumindest bis zu der Trailpassage, die ich als den “Friedhof der Trinkflaschen“ bezeichnen möchte. Auf einem ca. 200m langen besonders ruppigen Stück lagen ca. 30 Trinkflaschen am Boden. Gut, dass dieser Tag keine hohen Temperaturen bereit hielt! Im Tal bei Schönstein auf ca. 313m Höhe angekommen, folgte eine sehr steile Wiesenpassage bergauf, bevor die zweite große Herausforderung anstand – der lange Aufstieg zum Wüstegarten, 675 m hoch. Es gibt dort eine ultrasteile Passage, die von manchen als die “Kussschneise“ bezeichnet wird. In der Tat haben manche Teilnehmer mit Sicherheit ihren Vorbau geküsst, um dort fahrenderweise hinauf zu kommen. Oben auf dem Berg angekommen folgten einige äußerst schnelle Forstweg- und Singletrailabschnitte. An der einzigen Verpflegungsstelle habe ich nur kurz die Trinkflasche auffüllen lassen. Feste Nahrung kam gar nicht zum Einsatz, dafür aber insgesamt vier Gel-Packs. Auch wenn nach dem Streckenprofilplan jetzt das “Gröbste“ bereits bezwungen sein sollte, kam jetzt der mental entscheidende Abschnitt – ein permanenter Wechsel von relativ kurzen Anstiegen und Abfahrten. Nach einer letzten Tempohatz entlang blühender Rapsfelder, wenige Kilometer vor Gilserberg, kam endlich das Ziel ins Blickfeld. Der Veranstalter hatte aber zuvor noch ein besonderes Bonbons parat – einen “Hindernisparcours“ mit mehreren 180 Grad-Kurven, kurzen aber dafür steilen Rampen und ähnlichen Nettigkeiten. Alles nur ca. 50-100m Luftlinie vom Ziel entfernt. Sehr zuschauerfreundlich – für den Teilnehmer aber die Hölle!

Aber auch dieses Rennen hatte natürlich mal ein Ende. Nach rd. 2:06h Fahrzeit erreichte ich das Ziel. Diese Zeit bedeutete den 15. Platz von insgesamt 53 Teilnehmern in der Altersklasse Senioren 3.

Also - alles in allem: Ein schöner Tag!